Angela Schöttler
Annabelle Ponzi

"Gebrauchskunst?"

26. Juni bis 24. Juli 2016

Die Finissage als Abschluss der Ausstellung ist am Sonntag, 24. Juni 2016, ab 12 Uhr. Geöffnet bis 18 Uhr.




Annabelle Ponzi, "Giacomo und Carlotta"
 A. Ponzi, "Il Pasticcere"  Annabelle Ponzi, "Autoritratto"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Gebrauchskunst?"

Annabelle Ponzi und Angela Schöttler

Die in Hamburg geborene Künstlerin Angela Schöttler, Jahrgang 1956, ist vielseitig unterwegs. Nach dem Grafik-Design-Studium arbeitete sie zuerst in einer Werbeagentur, seit 1984 ist sie selbstständig. 1990 erhielt sie den Hamburger Kunstpreis der Lichtwarkgesellschaft . Seit 2002 unterrichtet sie Kunst an Ahrensburger Schulen. Außerdem ist sie als freie Kostüm- und Bühnenbildnerin tätig für verschiedene Theater in Norddeutschland.

Das bildnerische Werk Schöttlers ist überraschend, paart Banales mit unpassenden Accessoires und stellt es dadurch in einen neuen Kontext. „Ich sammele alles Mögliche, und irgendwann fügen sich die Dinge zusammen und stimmen dann,“ erläutert die Künstlerin. „Meine Kunst ist nichts fürs Sofa, viele meiner Bilder und Installationen beinhalten auch etwas Garstiges, was den Betrachter verstört. Wenn die Ahrensburgerin malt, dann malt sie die Aussage gleich mit, liefert Milieustudien, indem sie die Dinge kombiniert, greift Sprachbilder auf und setzt sie in Objekte um. Wort und Bild sind für sie eng verbunden.

Die Arbeit „Suchbild“ z.B. zeigt Wolf Dieter, einen dünnen Mann, der verschüchtert in der unteren rechten Ecke des Bildes steht. Das letzte Drittel des Namens ist nicht mehr zu lesen, wird aber im oberen linken Rand des Bildes wiederholt. Man sieht den Kopf einer Frau, die offensichtlich lautstark mit weit geöffnetem Mund nach dem verschüchterten Mann ruft. Auf einem anderen Bild sind fünf Zehen abgebildet, am unteren rechten Rand ist das Plättchen eines Xylophons befestigt, an dem ein Klöppel baumelt, der genau auf den großen Zeh zeigt; Titel des Bildes: „hohes C“. Ein rosafarbenes Waschbrett, darin ein eingearbeiteter Spiegel, vor dem Spiegel der Kopf von Ted, dem Freund von Barbie, ist mit „Mr. Universum“ überschrieben. Der Kopf von Ted ist winzig im Vergleich zum übergroßen „Waschbrettbauch“ und bedarf keiner weiteren Erklärung.

Die 1970 in Düsseldorf geborene Künstlerin Annabelle Ponzi hat in Rom Illustration und Restauration studiert. Bis 2004 arbeitete sie als Restauratorin von Ölbildern in Rom. Heute lebt sie als freischaffende Künstlerin in Florenz. Während der Arbeit als Restaurateurin entstanden auch detailgetreue Kopien von Ölgemälden alter Meister.

Seit 3 Jahren malt Annabelle Ponzi mit Bleistift, und zeichnet hier mit der gleichen Akribie, die auch beim Restaurieren Bedingung ist. Es entstanden vorwiegend Portraits, und stark vergrößerte Ausschnitte aus Gesichtern. Die Bilder sind von einer solchen Genauigkeit, dass man erst bei nahem Betrachten feststellt, dass es sich um eine Zeichnung und nicht um eine Fotografie handelt. Mit ihrer mikroskopisch genauen Zeichentechnik bildet die Künstlerin jede Hautfalte, jede Warze oder Unregelmäßigkeit des Porträtierten ab. Sie macht im Grunde genommen das, was bei der analogen Fotografie normal war, nämlich die genaue Wiedergabe der jeweiligen Person. Ließen sich die Menschen früher von Malern porträtieren, wurde meist Hässliches weggelassen. Bei der analogen Fotografie war das nicht möglich. Heute werden Fotos nachträglich am Bildschirm bearbeitet, bis sie gefallen. Annabelle Ponzi zeichnet demzufolge „analog“, bildet detailgetreu ab. Auf ihren Zeichnungen wird nichts nachträglich retuschiert, sie zeigt die Gesichter unverfälscht.

Ein spannender Aspekt dieser Ausstellung ist auf jeden Fall der totale Gegensatz der beiden Malerinnen. Der Hyperrealismus von Annabelle Ponzi und das Reduzierte, manchmal nur andeutungsweise Dargestellte Angela Schöttlers.

 

 

Angela Schoettler, "Das Knie der Wurst"
   Angela Schöttler, "Mr. Universum"
   Angela Schöttler, "Melitta - Filterhalter"